„Sag mal wieder Hallo“
Wann hast du einem geliebten verstorbenen Menschen das letzte Mal Hallo gesagt oder mit ihm gesprochen? So als wäre dieser geliebte Mensch Teil deines jetzigen Lebens.
Diese Einladung geht zurück auf die Methode „Say Hello Again“, die der australische Familientherapeut Michael White in den 1980er Jahren im Rahmen der von ihm mitbegründeten narrativen Therapie entwickelt hat. White arbeitete damals intensiv mit Menschen, die Verluste erlebt hatten und stellte eine bis dahin ungewohnte Frage: „Was wäre, wenn Trauer nicht nur Abschied bedeutet – sondern auch eine andere Form von Beziehung?“
„Say Hello Again“ lädt dazu ein, die Verbindung zu Verstorbenen neu zu gestalten. Als eine lebendige Beziehung, die sich mit dem eigenen Leben weiterentwickelt.
Wenn du deinen geliebten verstorbenen Menschen also ab und zu innerlich Hallo sagst, erzähle ihnen:
- wie dein Leben heute aussieht
- was sich verändert hat
- worauf du stolz bist
- was dich gerade herausfordert oder dir Not macht
Und richte den Blick auch darauf, was diese Menschen zu deinem heutigen Leben beigetragen haben. Michael White ging davon aus, dass Verstorbene in den Geschichten weiterleben, die wir über uns selbst erzählen. In unseren Haltungen, Entscheidungen und Fähigkeiten zeigen sich nicht selten die Spuren derer, die uns geprägt haben.
Erzähle deinen geliebten verstorbenen Menschen also auch:
- Welche Werte habe ich durch dich gelernt?
- Welche Fähigkeiten hast du mir vermittelt?
- Was von dir hilft mir heute noch, mich in meinem Alltag zu behaupten?
- Welche Sätze oder Haltungen von dir tauchen in mir auf, wenn es schwierig wird?
Mit diesen wunderbaren Anregungen von Michael White können Erzählungen entstehen, in denen deine geliebten verstorbenen Menschen ein bedeutsamer Teil deines gegenwärtigen und zukünftigen Lebens werden oder bleiben.
Denn manchmal beginnt Weitergehen genau dort, wo wir uns erlauben, noch einmal Hallo zu sagen.
Zum Vertiefen
David Denborough, Geschichten des Lebens neu gestalten. Grundlagen und Praxis der narrativen Therapie, S.175–204.